Gerichtsprozess: Salzburgerin verlor 213.000 Euro an Kryptobetrüger
17. Juli 2025
Am Salzburger Landesgericht startete am Donnerstag der Prozess gegen zwei mutmaßliche Kryptobetrüger aus Bulgarien. Ihnen wurde vorgeworfen, eine Salzburgerin auf eine betrügerische Handelsplattform gelockt und letztendlich um 213.000 Euro gebracht zu haben.
Der erstangeklagte 35-Jährige wurde am Donnerstag freigesprochen. Die zweitangeklagte 29-Jährige erschien nicht zum Prozess. Nach ihr wird nun gefahndet.
"Warum sind Sie nicht zu Ihrem Bankberater gegangen?", fragte Richterin Daniela Meniuk-Prossinger die 62-jährige Salzburgerin. "Ich weiß es nicht", entgegnete die Frau und fügte hinzu, dass sie durch die ihr vorgegaukelten Gewinne sehr große Hoffnungen gehegt habe. Was war passiert? Im März 2021 stieß die Salzburgerin über eine Onlinewerbung auf die Trading-Plattform Finetero.com und beschloss, eine erste Investition zu wagen. "Die Werbung sah sehr vielversprechend aus. Ich habe 250 Euro einbezahlt und es hat sich dann schnell eine Frau bei mir gemeldet." Die angebliche Brokerin suggerierte der 62-Jährigen immense Gewinnmöglichkeiten und überredete sie gemeinsam mit mehreren anderen Betrügerinnen telefonisch zu immer höheren Überweisungen. Im Juli 2021, mit einem Verlust von 213.000 Euro, entschloss sich die Salzburgerin dann, die Reißleine zu ziehen. "Als sie mir mein Geld nicht zurückgeben wollten, habe ich gesagt, dass ich das nicht mehr will, und habe einen Anwalt eingeschaltet."
Geld von Salzbugerin landete auf Konto des Erstangeklagten
Zwei bulgarische Staatsbürger, ein 35-Jähriger und eine 29-Jährige, hätten am Donnerstag vor einem Schöffensenat unter Vorsitz von Richterin Daniela Meniuk-Prossinger erscheinen sollen. Sie waren im Tatzeitraum bei einer bulgarischen Kryptohandelsplattform tätig, die mit dem Fall der 62-jährigen Salzburgerin in Verbindung gebracht wird. Denn rund 28.000 Euro ihres vermeintlichen Investments sollen auf einem polnischen Konto gelandet sein, das auf den Namen des Erstangeklagten läuft. Die Zweitangeklagte erschien nicht zum Prozess. Nach ihr wird nun gefahndet.
Der 35-Jährige beteuerte am Donnerstag seine Unschuld. Er habe keine Möglichkeit gehabt, zu überprüfen, woher das Kundengeld kam, das auf seinem Arbeitskonto landete. Daraufhin wollte die Richterin von ihm wissen, warum dieses Konto überhaupt auf seinen Namen lief und warum es auf einer polnischen Bank eröffnet wurde. Er erklärte, dass es bei der Firma üblich gewesen sei, einzelne Konten den Mitarbeitern zuzuweisen, um zu verhindern, dass einzelne Mitarbeiter Zugriff auf zu hohe Summen haben. In Polen sei das Konto gewesen, weil damals aufgrund von Regulierungen Kryptohandel über bulgarische Konten kaum möglich gewesen sei.
Als Zeuge wurde am Donnerstag auch der ehemalige Chef der bulgarischen Firma geladen. Er bestätigte die Ausführungen seines früheren Mitarbeiters und betonte, dass dieser keine Möglichkeit gehabt habe, die Herkunft des Geldes zu prüfen.
Freispruch für 35-jährigen
Der Erstangeklagte wurde Donnerstagmittag im Prozess rechtskräftig freigesprochen. "Man hat zwischen den Geldern des Opfers und meinem Mandanten keinen Konnex herstellen können", erklärte der Verteidiger des 35-jährigen Bulgaren, Christoph Mandl, auf SN-Anfrage. "Er wurde beschuldigt, weil ein Teil des Geldes auf seinem Konto landete. Aber die Herkunft des Geldes war für ihn nicht nachvollziehbar."
Gegen die Zweitangeklagte − auch sie arbeitete bei demselben bulgarischen Kryptounternehmen − wird jedenfalls ein weiterer Prozess folgen.
Salzburger Nachrichten
Bild: Unsplash